Julia Dürr: Wo kommt unser Essen her?

Essen ist für Kinder Teil des Alltags, bei der Zubereitung mitarbeiten und einkaufen vielleicht auch. Doch was passiert eigentlich davor? Wer biegt das Hörnchen? Wo legt die Henne das Ei? Und wer melkt die Kuh? In einer Zeit, in der Ernährungsbewusstsein immer wichtiger wird, aber auch Umwelt- und Tierschutzaspekte gesellschaftlich diskutiert werden, wird hier Kindern ab 6 Jahren ein erster Zugang zu diesen Themen ermöglicht. Die in großformatigen Illustrationen verarbeiteten Informationen über die kleinsten Schritte der Herstellung hat Julia Dürr durch Besuche in Betrieben gesammelt und dokumentiert. Dadurch ergeben sich exemplarische Darstellungen von Ställen, Höfen, Betrieben, Anlagen etc., die durch den Austausch mit Expert_innen, aber auch ihr persönliches Erleben entstanden sind. Der Produktionsprozess von sieben Nahrungsmitteln wird nachvollzogen, wie in einem Wimmelbuch können kleine Details erforscht und immer wieder Neues entdeckt werden. Der Text bleibt dabei wohltuend neutral und wertfrei, umso mehr lädt das Buch ein, ethische Fragen zu diskutieren, wenn etwa ungeschönt beschrieben wird, wie die einzelnen Schritte der Schlachtung von Schweinen genau ablaufen.
Beltz & Gelberg 2020.
40 S
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Gregg Segal: Über den Tellerrand

Über 50 Kinder aus der ganzen Welt erzählen von ihren Essgewohnheiten. Um in die Speisepläne unterschiedlicher Länder und Kulturen einzutauchen, hat der US-Fotograf und Journalist Gregg Segal einen besonderen Zugang gefunden: Für seine 2018 für den „Spiegel“ angefertigte Fotoserie „Daily Meal“ ist er durch Asien, Afrika, Europa, Nord- und Südamerika gereist und hat junge Mädchen und Buben aus der Vogelperspektive inmitten jener Lebensmittel abgelichtet, die sie über den Zeitraum von einer Woche zu sich nehmen. Auf jeweils einer Doppelseite widmet er sich einem Kind bzw. Geschwisterpaar und lässt zwischen Fast Food und selbst zubereiteten Speisen, Softdrinks und frischen Heißgetränken ein wimmelartiges Suchbild entstehen, das zum genauen Beobachten und Analysieren einlädt: Sind das wirklich Nudeln, die der elfjährige Meissa aus einem Vorort von Dakar (Senegal) in sein Sandwich füllt? Was isst die neunjährige Kawakanih vom Stamm der Yawalpiti aus dem brasilianischen Regenwald? Und welche Naschereien, die wir auch hierzulande kennen, verzehrt die elfjährige Razan aus Ajman (Vereinigte Arabische Emirate)? Als Zeugnisse aus kindlichen Lebenswelten verschiedenster Kulturen laden die Bilder zum Eintauchen in die kulinarische Vielfalt rund um den Globus ein und regen an, gemeinsam über Ernährungsweisen nachzudenken. Eine erste Einstiegshilfe dafür bietet der ergänzende Text auf der linken Buchseite: Dieser gibt u. a. Aufschluss über die kulturellen, sozialen und ökonomischen Hintergründe der Kinder und berichtet von ihren Alltagsabläufen, Leidenschaften und Träumen. Perfekt um in wiederholten Lektüreprozessen jeweils unterschiedliche Aspekte der Bilder (und Texte) genauer unter die Lupe zu nehmen!
Aus dem Amerikan. v. Ebi Naumann.
Gabriel 2020.
120 S.




Que Du Luu: Im Jahr des Affen

Minh Thi lebt in Herford, einer Kleinstadt in Westfalen, wo ihr Vater ein „Chinarestaurant“ betreibt. Geboren wurde sie in China, 1976 flüchtete ihre Familie (wie so viele andere „Boatpeople“) über Vietnam mit dem Boot nach Deutschland – wo sie sich gut eingelebt und „integriert“ hat. Zu gut vielleicht? Minh Thi spricht Deutsch, hat deutsche Freund_innen, nennt sich „Mini“. Ihre Muttersprache hat sie so gut wie verlernt. Für ihren Onkel Wu ist sie deshalb eine „Banane“ – außen gelb, innen weiß. Innerlich zerrissen ist Mini auf jeden Fall, ist sie doch keine „richtige“ Chinesin mehr, aber als Deutsche fühlt sie sich auch nicht so richtig. Nachdem ihr Vater wegen eines Herzinfarkts ins Krankenhaus muss, versucht Mini, seine Aufgaben im Restaurant zu übernehmen. Freizeit bleibt ihr da kaum mehr und mit dem störrischen Koch Bao – der ohne Visum in Deutschland in einer winzigen Abstellkammer im Restauranteigenen Keller haust – muss sie sich auch herumschlagen. In ihrem vielschichtigen Debütroman erzählt die aus China stammenden Que Du Luu auf einfühlsame, aber auch humorvolle Weise von Minis Entfremdung von ihrer eigenen Kultur und von kulturellen Un- wie Missverständnissen. Sie schickt ihre 16-jährige Protagonistin auf eine Spurensuche durch ihre Vergangenheit und lässt sie im Restaurant des Vaters auf unerwartete Antworten stoßen.
Königskinder 2016.
288 S.

Wie es mit der Nahrungszufuhr in einer Zukunft nach der Klimakatastrophe steht, imaginiert Ursula Poznanski in ihrem neuen Roman. In dessen dystopischer Welt, die durch die extreme Erderwärmung von apokalyptischer Zerstörung und fataler Ressourcenknappheit geplagt ist, gibt es strenge Klimagesetze. Es müssen also nicht nur systematisch die abgebrannten Wälder wieder aufgeforstet werden, sondern auch radikal Energie und Essen gespart werden. Deshalb leben die meisten Menschen der Realwelt in körpergroßen Kapseln, die in kargen Wohndepots untergebracht sind und mithilfe derer sie ihr Bewusstsein in verschiedenste computersimulierte Welten transferieren. Der Variantenreichtum dieses gesetzlich vorgeschriebenen Eskapismus scheint unendlich: Von friedlichen Jane-Austen- über abenteuerliche Vampir- und Dino- bis hin zu fürchterlichen Gefängniswelten steht alles zur Auswahl. Und: Nicht nur der Tod ist in diesen virtuellen Räumen eine Illusion. Auch der Körper kann (je nach gesammelten Punkteguthaben) verändert und optimiert werden, Festmahle können in unvorstellbaren Ausmaßen eingenommen werden. Letzteres haben die Bewohner_innen der kaputten Erde auch bitter nötig, denn von der grausigen, streng dosierten Flüssignahrung, die sie automatisiert über Spritzen verabreicht bekommen, wollen die meisten lieber nichts schmecken.
Loewe Verlag 2020.
448 S.




Tor Freeman
: Olivia und die schlechte Laune

Tage, an denen gefühlt alles schief geht und man einfach schlecht gelaunt ist – das kennen wir alle. Auch für das titelgebende Katzenmädchen Olivia ist heute einfach alles doof, da können selbst ihre charmanten tierischen Freund_innen von Doppelseite zu Doppelseite keine Abhilfe schaffen. Im Gegenteil: Mit jeder gereizten Reaktion Olivias auf die eigentlich nett gemeinte Kontaktaufnahme verbreitet sich die schlechte Laune in Windeseile. Mimisch herausragend inszeniert sind sowohl der Unmut Olivias als auch die Gefühlsregungen der Freund_innen wegen ihrer missmutigen Gefährtin – der in den episodenhaften Bildsequenzen voller Comicelemente sogar eine kleine schwarze (Regen-) Wolke folgt. Das drängt die Lesenden geradezu zur Identifikation, sodass sich auch alle nicht kätzischen Lebewesen in der grantigen Olivia wiedererkennen können. Am allermeisten dann, als die ultimative und allgemeingültige Lösung gegen Missmut und den Unbill des Alltags gefunden wird: im nächsten Süßwarengeschäft. Denn gegen eine Packerl Zuckerschlangen kann die schlechteste Laune nichts ausrichten. Zumindest, so lange noch etwas drinnen ist...
Aus dem Engl. v. Seriana Staub.
Orell Füssli Verlag 2013.
32 S.

Drei Pilze werden vom Bären im Wald gefunden, vom Wiesel in der voll eingerichteten Waldküche in die Pfanne geworfen und mit Salz, Pfeffer und Petersilie gewürzt. Wie es halt so üblich ist. Aber dann: Drei Pilze durch zwei hungrige Mäuler zu teilen ist nicht gerade eine leichte Aufgabe. Immerhin ist der Bär groß und muss viel essen. Das Wiesel muss aber noch wachsen. Und es hat die Pilze zubereitet. Wer bekommt nun also den verflixten dritten Pilz? Mit dem Auftauchen eines unbekannten Dritten in Gestalt eines Fuchses scheint sich der Streit zunächst in Wohlgefallen aufzulösen – wären da nicht die drei Walderdbeeren, die das Wiesel eigentlich als Nachtisch vorgesehen hatte…
In situationskomischen Illustrationen erzählt Jörg Mühle das Sprichwort „Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte“ auf unkonventionelle Weise neu. Der reduzierte Text in Kombination mit den Illustrationen lassen einen schmunzeln und zeigen dabei, dass Endlos-Diskussionen – vielleicht vom eigenen Essenstisch bekannt – durch eine dritte Instanz ad absurdum geführt werden können.
Moritz Verlag 2018.
32 S.




Michaela Holzinger / Thimo Becker: Gorillas kochen gut

Lotti liebt es, nachmittags ihre Oma in deren krokodilförmigen Haus zu besuchen. Das gemeinsame Kochen ist das Schönste für sie. Als Bilba-Oma aber plötzlich beginnt, den Nachbarsjungen Ivan in die Kochkunst einzuführen, wird Lotti ordentlich eifersüchtig. Hinzu kommt, dass der „Gorilla“, wie er auch genannt wird, in ihre Schule geht und dort jüngere Schüler_innen tyrannisiert! Ein Kochwettbewerb erscheint Lotti schließlich als DIE Lösung, um sich gegen ihren Konkurrenten zu behaupten. Auf sehr liebevolle Weise erzählt Michaela Holzinger von einem kindlichen Raum, der Geborgenheit schafft und in dem sich Eindringlinge, die zunächst als Bedrohung verstanden werden, letztlich doch als etwas ganz Anderes entpuppen. Denn auch im Paradies sollte man hinter die Gorillamaske blicken, um neue, doch recht zivilisierte Freund_innen zu finden. Perfekt ergänzt wird der großzügig gesetzte, auch für Leseanfänger_innen gut lesbare Text durch die gewitzten monochromen Illustrationen von Thimo Becker.
Obelisk Verlag 2018.
112 S.

Ist aus dem einstigen Suppenkaspar ein trendiger Vegan-Verweigerer geworden? Nun, vom innerfamiliären Totalverweigerer, der letztlich tot von seinem Sessel kippt, ist der kleine Torkel meilenweit entfernt. Vielmehr schreibt er sich in eine kinderliterarische Tradition ein, mit der die Gemüse-Skepsis jeder neuen Generation in den Blick genommen wird. Grün darf es schon mal nicht sein, vertraut Torkel seiner neuen besten (phantastischen) Freundin, der Giraffe, an. Nach dem Kennenlernen im ersten Band dringen die beiden nun bereits zu den zentralen Fragen des Lebens vor: Wer isst was? Giraffen essen von Akazien (nicht zu verwechseln mit Pistazien). Deren Blätter wären schon mal grün und tauchen daher auf Torkels Wunsch-Speiseplan nicht auf. Ebenso wenig wie Bohnen, Kohlrabi und Wasabi. Oder Brokkoli. Aber! Kein Brokkoli, kein Nachtisch. In Kürzest-Textpassagen und begleitet von freigestellten Illustrationen, die Mimik und Gestik der beiden humorig aufgreifen, wird das gemüsige Thema dialogisch verhandelt. Bis sich eine ernährungsspezifische Besonderheit der Giraffe als Lösung von Torkels Götterspeisenproblem erweist. Dass die Götterspeise grün ist – who cares?
Tulipan 2020.
48 S.



Linda Wolfsgruber: Die kleine Waldfibel

Der Wald. Die Frage, was dort alles so kreucht und fleucht, ist durchaus legitim. Neben allerhand Krabbelgetier, das mitunter auch für den Verzehr geeignet wäre – wenn man das denn will –, finden sich eine Vielzahl an Pflanzen, die hübsch anzusehen sind und sich gleichzeitig bestens in der Küche machen. Linda Wolfsgruber versammelt in ihrer kleinen Waldfibel, die formattechnisch perfekt in jeden Wanderrucksack passt und auf den Ausflug in den Wald mitgenommen werden kann, um alles entdeckte, sofort bestimmten zu können: nicht nur wunderschöne Aquarell- und Bleistiftzeichnungen, durchsetzt von Transparentpapier, auf dem stolze Bäume thronen und Wissenswertes über heimische Bäume, Blumen und Krabbeltiere zu jeder Jahreszeit. Nein, es finden sich darunter auch Rezepte für Speis und Trank: Baumkuchen, Preiselbeerkompott oder Holundersirup gesellen sich zu Schwarzbeernocken und Brennesselaufstrich. Die Verknüpfung von Natur, die selbst erlebt wird, lyrischen Texten, die immer wieder eingewoben sind und die Zubereitung von selbst gesammelten Speisen macht diese Fibel so besonders für Naturerkunder_innen, Kunstliebhaber_innen und auch Feinschmecker_innen.
Kunstanstifter Verlag 2020.
144 S.

Angelika Kirchmaier: Xund und kinderleicht

Kochen als ganzheitlicher Akt, der alle Sinne aktiviert – dieser Aspekt einer alltäglichen Handlung, damit es etwas zu Essen gibt, wird im Vorwort dieses Familienkochbuchs angesprochen und von Ernährungsexpertin Angelika Kirchmaier höchst ansprechend umgesetzt. Die direkt an die Kinder adressierten Rezepte bestechen durch ihre anschaulichen Erklärungen (Milch kocht, wenn sie zu blubbern beginnt und am Topfrand hochmarschiert), aber auch durch ihre Tauglichkeit für den oft stressigen Familienalltag: So wird bei vielen Speisen angegeben, wie sie als gesunde Schuljause einsetzbar und wie lange sie haltbar sind. Ob Schoki-Flocki, Schneemannsauce oder Fliegenpilzsuppe mit knusprigen Figuren: optisch begleitet werden die ästhetisch fotografierten Rezepte von witzigen kleinen Obst- und Gemüsemonstern, die Bine Penz ebenso durchdacht arrangiert hat wie das gesamte Layoutkonzept des Buches. Ergänzend gibt es wissenswerte Informationen (wie lässt sich echte Vanille von chemisch hergestellter unterscheiden?) und Hinweise über Schwierigkeitsgrad und Zubereitungsdauer.
Mit Fotos von Kary Wilhelm und Zeichnungen von Bine Penz.
Tyrolia
2020.
160 S.

 

Längst hat das Rotkäppchen im modernen Bilderbuch die Vormacht über den Wolf zurückgewonnen – schließlich zählt die Geschichte von der unheilvollen Begegnung zu den meistparodierten der Märchen der Brüder Grimm. Und dennoch scheint das Potential für neue, köstliche Varianten nicht ausgeschöpft: Einen Ziegelstein, eine Socke und einen Kaugummi anstelle von Kuchen und Wein hatte das rotbemützte Kind noch selten in seinem Körbchen. Der skizzenhaft und mit großer Lust an Mimik und Gestik ins Bild gesetzte Wolf ist entsetzt. Mit diesem dürftigen Mahl kann man doch keinen Großmutter-Geburtstag begehen! Also reißt er das Partyruder an sich und schleift das angepisste Rotkäppchen zur Blumenwiese, in die Backstube und zum Weinhändler. Die Großmutter wird es ihm danken, denn schon bald tauschen die alte Dame und der Wolf leicht illuminiert und pappvoll Erinnerungen aus. Dies könnte der Beginn einer wunderbaren Freundschaft sein, die durch den Magen geht. Doch während man gerührt den herzergreifenden, mit Märchenzitaten angereicherten Freundschaftsszenen zwischen Oma und Wolf folgt, hat das Rotkäppchen genug von all dem. Es ändert seine Profession und hält Ausschau nach Captain Jack Sparrow… allerdings auch kein Kostverächter!
Thienemann Verlag 2016.
31 S.

Was wird wohl passieren, wenn ein abgemagerter Wolf mit geschultertem Sack in einer Winternacht an das Haus der Henne klopft? Sein listiger Blick verrät schon Vieles, vor allem wenn er unter dem Vorwand eine Steinsuppe kochen zu wollen, Wasser im Kessel erhitzt. Das Huhn aber ist in seiner naiven Begeisterung unschlagbar und bald spricht sich herum, dass kulinarisch Aufregendes im Gange ist. Immer mehr Gäste stoßen dazu um Sellerie oder Zucchini  beizusteuern. Und würde das Nachbarsschwein nicht einen besonders guten Geschmack geben? Das helle, warme Haus der Henne füllt sich mit einer bunt zusammengewürfelten Runde. Vor reduziertem Bildhintergrund versammelt man sich in zarter Farbigkeit und wohl mit heißen Wangen vor dem brodelnden Kessel. Man plaudert. Man ist miteinander glücklich. Doch der Ausgang des langen, gemütlichen Abendessens scheint noch einmal ungewiss, als der Wolf sein spitzes Messer zückt... Ob es stimmt, dass der alte Wolf einzähnig ist und nicht mehr als Gemüsesuppe verschlingen wollte? Oder ob sein Trick, die Henne „einzukochen“ nicht funktioniert hat? Man wird sehen, im nächsten Dorf…
Aus dem Franz. v. Tobias Scheffel.
Beltz&Gelberg, Minimax 2004.
31 S.




Linda Wolfsgruber / Griffin Ondaatje: Der Tellerdieb

Walter ist ein gewöhnlicher Waschbär: Sieben Kilo schwer, einen viertel Meter hoch, und – wie viele andere Waschbären in Nordamerika und Kanada – leider auch eine kleine Plage, da er wie alle seine Artgenossen in den Mülltonnen der Menschen wühlt. Aber Walter ist auch ein Waschbär mit Etikette. Daher trägt er eine rote Fliege und liebt es, von Tellern zu speisen, die er mit Vorliebe einem feinen Restaurant entwendet und nach dem Essen sorgfältig 17 Mal im Fluss spült. Als seine Eltern ihn bei seinem originellen Ritual erwischen, wird beschlossen, den Menschen die Teller wieder zu retournieren. Ob sie damit Freude haben...? Die Geschichte über den Waschbären mit eigenwilligen Wesenszügen könnte als Parabel über die Wegwerfgesellschaft gelesen werden; es ist aber vor allem eine witzige Geschichte über tierische mit mitunter absurden Wesenszügen, die voller Leichtigkeit und mit stimmungsvollen Aquarell-Zeichnungen von Linda Wolfsgruber, Einblicke in die amüsante Gesellschaft der Kleinbären gewährt.
Aus dem Engl. v. Elisa Martins.
NordSüd Verlag 2019.
32 S.


Ein fein abgeschmecktes Buch-Rezept und ein Hoch auf die sprachspielerische Fabulierlust von einem talentierten Künstler_innenpaar: Zu jedem Buchstaben des Alphabets präsentieren Elisabeth Steinkellner und Michael Roher auf einer Doppelseite ein Tier mit seinen kulinarischen Vorlieben. Von akrobatischen Affen mit Appetit auf Apfelmus über das Reh von Rang mit Liebe zum Rum bis hin zum Wellensittich, der sich wollüstig an den Wein wagt: Allesamt sind sie im charakteristischen Roher-Collagenstil porträtiert. Dabei sind immer wieder menschliche Züge bei den Tieren zu finden und spätestens beim zweiten Gang wird deutlich, dass auch aktuelle Ernährungstrends eine Rolle spielen: Denn „X-tra-Wurst“ lehnen alle ab. Und selbst auf dem Vorsatzpapier erwarten einen kuriose kulinarische Kompositionen aus Artischocken (gebraten) und Holunderbeeren in Jasmintee, die versprudelt und gewürzt werden, wonach letztlich Yoghurt zugegeben wird. Unabhängig von den eigenen Ernährungsgewohnheiten: Zu Tisch und zum Buch kann nur gerufen werden!
Tyrolia Verlag 2016.
57 S.



Verena Hochleitner: Der verliebte Koch

Grün, grün, grün sind alle meine Kleider, weil mein Schatz ein verliebter Koch ist… In lebhaft grüner Farbe lässt Verena Hochleitner die sich zwirbelnden Gedanken von dem gedankenverlorenen Titelhelden in einem hohen Suppentopf einkochen: es sind verdinglichte Tagträumereien, feingliedrige Zeichen der Liebe, die hier – wie Amors Pfeile – über die Doppelseiten gleiten und Seite für Seite eine schwarz-weiß-graue Stadt erobern. Während die visualisierten Gedanken des Kochs einen grimmigen Restaurantgast zur Weißglut treiben, schreiben sie sich auf ganz unterschiedliche – nicht selten überraschende – Arten in das Alltagssetting ein: Beim Warten in der Bushaltestelle, im Verkehrsstau oder im Waschsalon, stets führen die filigranen Kringel des verliebten Kochs zu amourösen Momenten, die die Menschen wie gut portioniertes Glück überfallen. Ob der verliebte Koch ein guter Koch ist, ob er zeitgemäße Gerichte auf die Teller zaubert und ober er einen Michelin-Stern verdient hat, bleibt letztlich egal. Was zählt ist die Liebe, die bekanntlich, ja auch durch den Magen geht…
Luftschacht Verlag 2015.
36 S.

„Ohne Wasser geht nichts!“ Das stimmt und verweist auch auf einen kleinen feinen Trend im Sachbuchbereich, der die Weltmeere in den Fokus stellt und es ist der Titel eines aktuellen Sachbuches, das formal und ideologisch in die Fußstapfen von „Wie viel wärmer 1 Grad“ tritt. Diesmal zeichnete allerdings eine andere Illustratorin und verantwortlich für die Sachtexte war eine Gewässerökologin aus München. Die großen Themen sind nach wie vor Klima und Nachhaltigkeit. Auf der Bildebene besonders hervorzuheben sind die anschaulich gestalteten grafischen Vergleiche, die zum Beispiel zeigen wie viel Wasser benötigt wird, um ein Ei (200 Liter!) oder ein Kilo Rindfleisch (15.000 Liter!) zu bekommen. Dafür werden viele kleine Badewannen neben eine Kuh gesetzt, um das (Miss-)Verhältnis auf einen Blick darzustellen. Dieses Sachbuch will mit kurzen Sachbuchtexten, Flussdiagrammen, figurativen Identifikationsfiguren und witzigen Gegenüberstellungen aber nicht nur informieren, sondern auch zum eigenen nachhaltigeren Umgang mit Nahrung und anderen Ressourcen anregen, und so findet man am Ende einfache Vorschläge, wie man Wasser spart, aber auch weniger naheliegende Hinweise darauf, wie durch bewussten Konsum, der eigene Wasserverbrauch reduziert werden kann.
Alles über den wichtigsten Stoff der Welt.
Ill. v. Mieke Scheier.
Beltz&Gelberg 2020
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96 S.



Dagmar Cramm / Rotraut Susanne Berner: Das große Wimmel-Kochbuch mit Rezepten für alle Jahreszeiten

Schon in den Wimmelbüchern von Rotraut Susanne Berner ist zu erkennen: Auch die Wimmlinger essen (natürlich). Daher treten sie hier schon am Cover und Vorsatzpapier an, um Äpfel zu schälen, Palatschinken in die Luft zu werfen und Gurken zu hobeln. Was folgt, ist ein klug durchkomponiertes Kochbuch für Kinder, das implizit Bewusstsein für den ökologischen Fußabdruck schafft, indem saisonal und regional gekocht wird. Nach Jahreszeiten geordnet, stammen die Zutaten vor allem aus Wiese, Wald und Garten und werden mit den entsprechenden Standards (Milchprodukte, Mehl, Zucker, Nudeln, Reis etc.) ergänzt. Daraus resultiert eine gute Mischung aus vegetarischen Speisen und Süßspeisen, an manchen Stellen pikant bereichert durch Fleischiges – und immer erweitert durch den Blick über den kulturellen Tellerrand.
Die Zutaten werden der Jahreszeit entsprechend vorgeführt, Küchenutensilien und Grundschritte in einem Anhang noch einmal gut nachvollziehbar präsentiert. Jede Doppelseite wird durch eine kleine Textpassage und einen illustratorischen Teaser in Wimmlingen verortet; danach werden je zwei Rezepte vorgestellt. Zusätzliche Erklärungen wie kleine kreative Hinweise und Warenkunde werden an Bild-Text-Kombinationen delegiert. Dieserart entsteht ein Kinderkochbuch, das sich an Koch-Einsteiger_innen gleichermaßen wie an jene richtet, die ihre praktischen Erfahrungen gerne auf eine gute Grundlage stellen wollen.
Gerstenberg Verlag 2014.
144 S.

„Ist dein Nervenkleid zerschlissen, ruh dich aus und schlürf Melissen.“ Mit dieser einprägsamen Bauernregel wird darauf hingewiesen, dass Essen und Trinken von Kräutern vielfältige Anwendungsmöglichkeiten hat. Dementsprechend erfolgt auch die Gliederung des Buches: Eine Pflanze wie Spitzwegerich findet sich mit Eibisch und Thymian logischerweise unter H, den Hustenbekämpfern. Andere Kategorien sind zum Beispiel die „Formensprache des Blattrandes“ unter F oder „Eistee und andere Erfrischungen“ unter E. Jede Pflanze ist von Renate Habinger kunstvoll naturgetreu abgebildet und wird von witzigen, detailreich gestalteten Figuren begleitet. Symbole geben an, welcher Teil jeweils für welches Anwendungsgebiet geeignet ist – von der äußerlichen Anwendung als Bad oder Umschlag bis hin zum Tee. Neben den entsprechenden Rezepten ist eine Fülle an unterschiedlichen Textsorten versammelt: Lieder, Rätsel, Gedichte und (wie in einer der kongenialen Kooperationen von Renate Habinger und Gerda Anger-Schmidt nicht anders zu erwarten) eben Bauernregeln.
G&G Verlag 2010.
128 S.