Aus d. Niederländ. v. Rolf Erdorf.
Gernstenberg 2020. € 19,40.


Jan de Leeuw und Mattias de Leeuw: Der kleine König folgt dem Stern
Wenn die Weihnachtsfeiertage vorbei sind, warten die Menschen auf die drei Weisen aus dem Morgenland, die die Häuser segnen. Mit einem König haben es die Leserinnen und Leser auch in diesem Bilderbuch zu tun. Der kleine König Sevi, gerade mal zehn Jahre alt, regiert das Land der Kleinen Wunder.
Gemäß der biblischen Erzählung erstrahlt auch hier am Himmel ein neuer Stern.

»Wenn der Stern des Westens erscheint, wird alsbald ein König geboren, mächtiger als alle anderen Könige zusammen.«

Der kleine König ist aber nicht einer der bekannten heiligen drei Könige, wie man zu Beginn vielleicht glauben mag. Er ist vielmehr ein selbstbestimmtes Kind, dass den neuen König im Leben willkommen heißen mag und den Rat seines Sterndeuters in den Wind schießt. Mit Geschenken bepackt, folgt er dem Stern und alsbald trifft er auf drei Könige, die mit einer Karawane den gleichen Weg einschlagen wie er. Der kleine König schließt sich jedoch nicht an, sondern geht seinen ganz eigenen Weg. Auf eben diesem trifft er auf unterschiedliche Figuren in Not, denen er mit den Geschenken, die für den großen König gedacht waren, hilft. Geschenke, die kleine Wunder bewirken: einer alten Frau schenkt er eine Rassel, die Wasser spendet. Ein Spielzeug in Form eines Eichhörnchens lässt in der kargen Landschaft Bäume wachsen und das treue Pferd hilft einem Geschwisterpaar bei der Ernte. Der kleine König und die märchenhaften Anleihen erinnern dabei an Grimms „Sterntaler“. Bis sich schließlich auch der kleine König frierend und dem Tod sehr sehr Nahe in einer Winterlandschaft wiederfindet und von einem Paar, dass mit einem Neugeborenen durch den dichten Schnee auf der Suche nach einer Herberge irrt, gerettet wird.

Der Stern, drei Könige und eine junge Familie sind die klassischen Motive der Weihnachtsgeschichte und doch erzählt Jan de Leeuw in klaren Worten, die von dem ausgewiesen märchenhaften Ton dominiert werden, die Geschichte vollkommen neu: Die Reise des kleinen Königs auf der Suche nach dem großen König nimmt bereits die Botschaft des Evangeliums vorweg: Barmherzigkeit und Nächstenliebe. Damit wird im Text auf die Legende des vierten Königs, von Edzard Schaper 1961 in seinem Roman „Der vierte König“ aufgegriffen, angespielt, wobei in diesem Bilderbuch der König als Neugeborenes gefunden wird, ganz im Gegenteil zu seinem Vorbild, in dem der vierte König mit 30 Jahren Verspätung auf den großen König am Kreuz trifft.

Die klare, märchenhafte Sprache wird in den Illustrationen von Mattias de Leeuw aufgegriffen. Mit schwungvollem Pinsel werden die markanten Szenen der Reise skizziert und mit orientalisch anmutenden Elementen ausgeschmückt, wodurch es zu einer Verortung der Herkunft der Könige kommt. Das Nebeneinander von Bild und Text, in dem vor allem die Typographie eine tragende Rolle einnimmt, harmonieren als Gesamtwerk.
Ein etwas anderer Blick auf die Weihnachtsgeschichte, die neue Blickwinkel eröffnet.


Alexandra Hofer

Die gesammelten Religiösen Bücher des Monats finden Sie im
>>> Archiv