Coppenrath 2026.
56 S.

Holger Haag und Julia Gerigk: Unsichtbar. Meister der Tarnung

Knalliges Neonrosa auf Cover und Vorsatzpapier stehen in völligem Kontrast zum Thema dieses großformatigen Sachbilderbuchs. Denn es geht um Tarnung, jenes Phänomen, wo sich Tiere auf unterschiedliche Weise nahezu unsichtbar machen: Indem sie ihre Farbe an die ihrer Umgebung anpassen, die Struktur des Untergrunds anehmen, auf dem sie leben, oder sich besonders langsam und (damit unauffällig) bewegen.

Holger Haag, der dies anhand von 15 beispielhaft ausgewählten Tieren ausführt, weiß, wovon er spricht: Er ist nicht nur diplomierter Biologe, der seinen Zivildienst in einem Nationalpark im Wattenmeer abgeleistet hat, sondern neben seiner Tätigkeit als Autor auch in der Wissensvermittlung an Schulkinder tätig.

Jedes Tier wird zunächst mit einer eindrucksvollen Illustration der Künstlerin Julia Gerigk auf einer Einzel- oder Doppelseite (was im Format 24,8 x 34,7 besonders spektakulär wirkt) in einer Tarnsituation dargestellt: das grüne Chamäleon inmitten von Blättern, das weiße Alpenschneehuhn im Schnee, die Orchideenmantis inmitten einer Orchideenblüte. Etwaige Unsicherheiten werden mit „Lösungsbildern“ am Ende des Buches behoben, auf denen die getarnten Tiere besonders hervorgehoben und damit besser erkennbar sind.
Anschließend wird jedes Lebewesen mit kurzen, präzisen Infotexten in seinen Eigenheiten, von Aussehen über Lebensraum bis hin zum Nachwuchs vorgestellt. Mit besonderem Augenmerk auf den jeweiligen „Tarntrick“ – die in ihrer Vielfalt wirklich faszinierend sind. So streckt etwa die (ohnehin farblich schon ziemlich gut an ihre Umgebung angepasste) Rohrdommel bei drohender Gefahr Hals und Kopf in der sogenannten Pfahlstellung in die Höhe. Und sieht damit wie ein Schilfhalm aus. Als wäre das nicht gefinkelt genug, schwanken die Vögel dann noch im Rhythmus des Schilfs hin und her. Der Krake hingegen kann die Struktur seiner Haut verändern und Stacheln oder Warzen bilden, die wie Korallen aussehen.

Von der Baumsavanne bis in die Tiefen des Meeres, vom Feldboden bis zum Regenwald reicht die Bandbreite der Lebensräume, die dieserart vorgestellt werden. Womit einmal mehr zum Staunen angeregt wird, was in der Natur alles möglich ist.

LESEN – SPRECHEN – TUN

LESEN – Die Texte vermitteln zwar durchaus komplexe Sachinformationen, sind dabei aber immer gut verständlich und zugänglich. Durch ihre Gliederung in einzelne, relativ überschaubare Abschnitte sind sie auch für wenig motivierte Leser*innen gut lesbar.

SPRECHEN – Das gemeinsame Suchen der so gut getarnten Tiere kann auch zum Gesprächsanlass werden – was finde ich an diesen Tieren und ihren unterschiedlichen Tarnstrategien besonders interessant oder überraschend? Neben der rein biologischen Faktenebene steht das Thema Tarnen natürlich auch in einer literarischen Tradition, der nachgegangen werden kann – zum Beispiel die Tarnkappe aus den Märchen oder der Tarnumhang von Harry Potter.

TUN – Manche der hier präsentierten Tiere leben an nicht unbedingt gut erreichbaren Orten wie dem Regenwald oder der Savanne. Andere hingegen, wie den Feldhasen oder den Birkenspanner, kann man auch in unseren Breiten entdecken, wenn man genau hinschaut. Die eindrucksvollen Bild-Darstellungen der getarnten Tiere können auch als Inspiration genommen werden, selbst kreative Umsetzungen davon zu machen.

Kathrin Wexberg

 


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